FLÜCHTLINGE: Über 70 Tote in Lkw

(Raphel Rohe/www.pixelio.de©)
Transport: Trauer um über 70 Tote in Lkw. (Raphel Rohe/www.pixelio.de©)

28.08.2015, Eisenstadt: Die Zahl der toten Flüchtlinge, die gestern eingepfercht in einem Lkw zwischen Neusiedel und Parndorf auf der Ostautobahn (A4) entdeckt worden waren, hat sich auf 71 erhöht. Der Fahrzeughalter und die beiden Fahrer des Lkw sind in Haft, nach einer vierten Person wird gefahndet. Innenministerin Mikl-Leitner fordert vor dem Hintergrund der Tragödie die legale Einreise für Flüchtlinge in die EU, um den Schleppern ihren Markt zu entziehen. 

Das Ausmaß der Flüchtlingstragödie ist schlimmer, als gestern noch vermutet. Im auf der Ostautobahn (A4) zwischen Neusiedl und Parndorf gefundnenen 7,5-tonner Lkw befanden sich 71 tote Flüchtlinge: 59 Männer, acht Frauen und vier Kinder. Das bestätigten der Landespolizeidirektor Peter Doskozil und das österreichische Innenministerium bei der Pressekonferenz am heutigen Vormittag. Woher die Flüchtlinge stammen, ist ungewiss. Lediglich ein bei den Toten gefundener Identitätshinweis deutet darauf hin, dass sie aus Syrien stammen. Das Fahrzeug war in einer Pannenbucht abgestellt worden. Die genau Todesursache der Flüchtlinge ist noch immer ungeklärt. Sie dürften jedoch erstickt sein. Auch der Todeszeitpunkt ist noch nicht festgestellt. Die Menschen dürften jedoch am Mittwoch, möglicherweise aber noch auf ungarischem Staatsgebhiet gestorben sein. Die Leichen werden derzeit zu weiteren Untersuchungen in die Gerichtsmedizin Wien überstellt. 

Fragliche Umstände
Auch noch nicht ganz zweifelsfrei geklärt ist, woher der Lkw genau kam. Er dürfte laut Ermittlungen der burgenländischen Polizei jedoch am Mittwoch in den frühen Morgenstunden jedoch bei Budapest in Ungarn gestartet sein. Um 9.00 Uhr befand er sich laut polizeilichen Erkenntnissen noch in Ungarn unmittelbar vor der ungarisch-österreichischen Grenze. Während der folgenden Nacht erfolgte der Grenzübertritt. Am frühen Donnerstagmorgen - gegen 5.00 oder 6.00 Uhr - wurde der Lkw von Zeugen auf der A4 zwischen Neusiedl und Parndorf wahrgenommen. Wie der Lkw mit ungarischem Kennzeichen völlig unkontrolliert über die Grenze gelangen konnte, wer die Hintermänner sind und wer den Transport veranlasst hat, ist Teil der Ermittlungen. P. Doskozil wies jedoch heute darauf hin, dass derzeit täglich bis zu 500 Flüchtlinge im Burgenland aufgegriffen werden, die von den Polizeibeamten erstversorgt werden. Außerdem sei der Lkw kein Fahrzeug, das typischerweise von den Schlepperbanden verwendet werde. Das typische Schlepperfahrzeug sind Klein-Lkw mit einer maximalen Nutzlast bis zu 3,5 Tonnen. Daher habe man sich bei den Kontrollen auf diesen Fahrzeugtyp konzentriert. Zudem kämen über die Ostautobahn täglich rund 3.000 Lkw aus Ungarn. Man habe somit gar nicht die personellen Kapazitäten, jeden dieser Lkw auf ihre Transportinhalte zu prüfen, so P. Doskozil während der heutigen Pressekonferenz.  

Bulgarischer Schlepperring
Fix dürfte sein, dass ein bulgarischer Schlepperring für die Tragödie verantwortlich ist. Zu diesem dürften auch die drei noch gestern Nacht verhafteten Personen gehören: der ungarische Fahrzeughalter, und die beiden Fahrzeuglenker, ein Ungar und ein Bulgare. Nach einer vierten Person wird international gefahndet. Die Polizei geht jedoch davon aus, dass es sich bei den inhaftierten nur um die Handlanger des Schlepperrings handelt. Von ihnen verspricht man sich jedoch weitere Hinweise auf die Hintermänner des Verbrechens. 

Legale Einreise in EU gefordert
Unterdessen fordert Bundesministerin Mikl-Leitner, den legalen Zugang von Flüchtlingen in die Europäische Union zu ermöglichen, um den Schlepperbanden den Markt zu entziehen. Denn derzeit sei es keinemn Flüchtling möglich, legal in die EU zu gelangen. Das könnte etwa durch die rasche Errichtung von der UNHCR geleiteten Auffanglager in Ländern wie Italien oder Griechenland geschehen, wo sämtliche Flüchtlinge registriert und dann an die EU-Mitgliedsstaaten weiter geleitet werden könnten. "Diese könnten innerhalb von sechs Wochen stehen, wenn Italien und Griechenland diese von der EU einfordert", so Mikl-Leitner bei einer Sondersendung des ORF m gestrigen Abend. Gleichzeitig forderte sie rasche Entscheidungen der anderen EU-Staaten, Flüchtlinge aufzunehmen und einen Schulterschluss in Europa angesichts der Flüchtlingskatastrophe.

Hotline für Flüchtlinge
Inzwischen gehen in der Landespolizeidirektion laufend Anfragen von Personen aus den unterschiedlichen Flüchtlingsunterkünften in Österreich ein, welche Angehörige unter den Toten der TRagödie vermuten. Für diese wurde eine kostenlose Telefon-Hotline eingerichtet.

Telefon-Hotline: 059 133 10 3333