EMI: Deutsche Konjunktur brummt weiter

(Foto: Thorben Wengert/www.pixelio.de)
Konjunkturmotor brummt weiter, so lange der private Konsum anhält. (Foto: Thorben Wengert/www.pixelio.de)

05.01.2016, Frankfurt/Main: Der deutsche Einkaufsmanager Index, EMI, verabschiedet sich vom Jahr 2015 mit einem Viermonatshoch. Das signalisiert nachhaltiges Wachstum der deutschen Konjunktur. Treiber ist dabei vor allem der private Konsum und nicht Industrieinvestitionen. Das birgt jedoch Risiken, sind Volkswirte überzeugt.

Das höchste Plus beim Auftragseingang seit knapp zwei Jahren hat der deutschen Wirtschaft zum Ende des vierten Quartals 2015 noch einmal einen kräftigen Schub gegeben. Das signalisiert der Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI), der im Dezember des abgelaufenen Jahres mit 53,2 (November: 52,9) auf ein Viermonatshoch geklettert ist. Der wichtige Indikator für die konjunkturelle Lage in der deutschen Industrie spiegelt das Ergebnis der Dezember-Umfrage unter mehr als 500 Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes in einem Wert wider. "Der Aufschwung ist robust. Für seine Nachhaltigkeit spricht, dass der EMI bereits seit 13 Monaten über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten liegt", betonte Dr. Christoph Feldmann, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik in Deutschland (BME), heute in Frankfurt gegenüber den Medien. Erfreulich für Einkäufer sei zudem, dass der anhaltende Preisverfall bei wichtigen Industrierohstoffen die durchschnittlichen Beschaffungspreise auch im Dezember 2015 kräftig sinken ließ.

1,7 Prozent Wachstum erwartet
Laut EMI setzt sich die Dynamik in der deutschen Industrie 2016 fort. "Zwar sind keine großen Sprünge zu erwarten, aber ein Wachstum von 1,7 Prozent ist drin", schränkt Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, bei der Veröffentlchung des EMI ein. Dabei müsse ihrer Ansicht nach aber berücksichtigt werden, dass die Wachstumsmotoren nicht bei den Investitionen oder Exporten zu finden sind, sondern vielmehr beim privaten Konsum. Deutschland habe sein lange gepflegtes Wachstumsmodell aufgegeben und beschränke sich auf diesen einen Pfeiler. Anreize für die Unternehmen kommen nach Einschätzung der Helaba-Bankdirektorin weder von der Fiskal- noch von der Geldpolitik. "Mit den extrem niedrigen bzw. teilweise negativen Zinsen liefert die EZB nämlich keine ökonomische Stimulanz, sondern trägt zur Verunsicherung bei den Investitionen bei", so Traud abschließend.

Indizes widersprechen Börsen
Nach Ansicht von Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank "erweisen sich die Daten für die deutsche Wirtschaft als solide, während an den Aktienmärkten weiter Konjunkturängste umhergeistern. Zusätzlich zur weiterhin guten Lage in Euroland erholten sich im Dezember 2015 sogar die Aufträge aus dem Ausland wieder." Die deutsche Exportwirtschaft sei breit aufgestellt und könne daher regionale Schwächen ausgleichen. In einigen Segmenten, wie etwa bei Konsumgütern laufe es Kater zufolge "sogar in China gar nicht so schlecht". Und Dr. Dirk Schlotböller, Konjunkturexperte bei DIHK ergänzt abschließend: "Der Aufwärtstrend hat sich in einem schwierigen Umfeld gefestigt. Für ein kräftiges Wachstum fehlen allerdings derzeit die Treiber bei Export und Investitionen." Vor allem der langjährige Motor China bereite derzeit vielen Exportbetrieben Sorgen, stellt Schlotböller zum EMI fest.